
Sankt Albertus Magnus Paris
Katholische Gemeinde deutscher Sprache
Seien Sie herzlich willkommen…

…in unserer deutschsprachigen katholischen Kirchengemeinde Sankt Albertus Magnus in Paris! Wir freuen uns, wenn Sie sich für uns interessieren und uns wenn möglich in echt besuchen!
Unsere Gemeinde ist ein besonderer Ort in Paris! Er bietet ihnen eine sprachliche und religiöse Heimat in einem angenehmen und dynamischen Rahmen.
Hier treffen sich Deutsche und Franzosen, Österreicher und Norddeutsche, Schweizer und Schwaben und feiern zusammen Gottesdienst oder unternehmen etwas gemeinsam. Wir heißen Sie sowohl in unserer Gemeinde, als auch auf unserer Homepage willkommen! (mehr…)
Angedacht
Ostern – ein Datum im Kalender?
Ob sich die österliche Freude in diesem Jahr einstellen kann, bleibt offen. Zu vieles in unserer Welt und hier und da auch unserem persönlichen Leben wirkt verunsichernd, beängstigend oder belastend. Krisen, Konflikte, Sorgen um die Zukunft und Erfahrungen von Verlust fordern uns heraus. Die aktuellen Kriege und ihre Folgen sind unfassbar und letztlich vor allem für jene, die ihnen hilflos ausgeliefert sind, unerträglich und oft tödlich!
Und trotzdem kommt uns Ostern entgegen. Es taucht zumindest im Kalender auf, vielleicht sogar menschlich, existentiell und spirituell, wenn wir es zulassen. Das Fest, das Grenzen sprengt und neue Freiheit verheißt.
Der Weg dorthin führt jedoch nicht an der Wirklichkeit des Kreuzes vorbei, denn dieses gehört zum menschlichen Leben existentiell dazu. Deshalb ist – religiös gedeutet – Gott selbst dem Kreuz in Jesus Christus nicht ausgewichen. Und er weicht ihm auch heute nicht aus. In Jesus geht er unseren Weg mit, hinein in Leid, Scheitern, Angst und Tod. Er teilt die Tiefen menschlicher Existenz ebenso, wie ihre Höhen. Wer ehrlich auf das eigene Leben blickt, erkennt: Diese Erfahrungen gehören zum Menschsein dazu. Gerade darin aber zeigt sich die Nähe Gottes. Karfreitag ist deshalb kein Gegenstück zu Ostern, sondern sein unverzichtbarer Bestandteil.
Zum Glück bleibt es nicht beim Kreuz, es wird gewissermaßen durchkreuzt. Das ist die entscheidende Botschaft von Ostern: Christus ist nicht im Tod geblieben. Er hat die Grenzen durchbrochen, die uns unüberwindbar erscheinen, und ist auferstanden. Unser Glaube sagt: Das Leben siegt über jeden Tod. Vollständig begreifen können wir dieses Geheimnis wohl nicht. Aber wir dürfen ahnen, dass Gott größer ist als alles, was wir verstehen. Seine Wirklichkeit reicht weiter als unsere Vorstellungskraft – und gerade deshalb reicht sie auch in unsere Begrenztheit hinein, um sie zu verwandeln.
Was das konkret bedeuten kann, zeigt sich oft im Alltag. Da ist zum Beispiel die Frau, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen lange Zeit keinen Trost findet. Alles scheint leer und schwer. Aus irgendeinem Impuls heraus wagt sie eines Tages den ersten Schritt zurück ins Leben – im Gespräch mit anderen, im Gebet, vielleicht auch im stillen Vertrauen darauf, dass ihr Leben mehr ist als dieser Verlust. Langsam wächst in ihr wieder Hoffnung.
Denken wir an zwei Geschwister, die sich von Kindesbeinen an immer schon in die Haare gekommen sind und sich als Erwachsene endgültig voneinander distanziert haben. Jahrelang herrscht Schweigen, die Mauer scheint unüberwindbar. Und dann kommt der Moment, in dem einer den ersten Schritt wagt – ein Mail, ein Anruf, ein leises: „Lass uns ein Bier miteinander trinken“ und später vielleicht ein: „Es tut mir leid!“ Was unmöglich schien, wird auf einmal durchbrochen und Versöhnung wird möglich. Woher kam der Impuls dazu, mag man sich fragen.
Ostern ermutigt uns, den Schritt über die Mauer des Zweifels zu wagen. Es lädt uns ein, darauf zu vertrauen: Der Mensch ist nicht für den Tod geschaffen, sondern für das Leben. Dieses Vertrauen verändert den Blick auf unser eigenes Dasein. Es stärkt uns, Begrenzungen anzunehmen, wo sie unvermeidlich sind – und zugleich darüber hinauszugehen, wo neue Wege möglich werden.
So kann österlicher Glaube konkret werden:
in der Bewegung von Enttäuschung zur Hoffnung,
von Ohnmacht zum mutigen Handeln,
von Streit zur Versöhnung,
von Gleichgültigkeit zum Mitgefühl.
Ja, sogar die Grenze zwischen Tod und Leben wird im Licht von Ostern neu gedeutet. Wo wir uns dem Leben Gottes öffnen, beginnt etwas vom Ewigen schon jetzt in unserem Alltag zu wirken.
Das Osterfest will damit unendlich mehr sein als ein Datum im Kalender. Es ruft uns nicht nur zur Erinnerung an etwas Vergangenes, sondern zur Entscheidung österlich leben zu wollen, d.h. mit Zuversicht, mit Vertrauen und mit einem offenen Herzen für das, was Gott in uns selbst und durch uns wirken möchte.
In diesem österlichen Geist wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen eine gesegnete Karwoche und ein von Vertrauen erfülltes und frohes Osterfest. Möge Ihnen jener Mut geschenkt werden, der schon die ersten Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung erfüllt hat – der Mut, aufzubrechen und Christus doppelt zu bezeugen, als den Gekreuzigten und den Auferstandenen.
Möge die Freude der Auferstehung Ihr Leben tragen und Ihnen die Kraft geben, den Herausforderungen des Alltags mit österlicher Zuversicht zu begegnen.
In österlicher Verbundenheit,
Ihr Pfarrer Markus Hirlinger