
Sankt Albertus Magnus Paris
Katholische Gemeinde deutscher Sprache
So finden Sie uns:
38, rue Spontini
75116 Paris
M° Porte Dauphine
Seien Sie herzlich willkommen…

…in unserer deutschsprachigen katholischen Kirchengemeinde Sankt Albertus Magnus in Paris! Wir freuen uns, wenn Sie sich für uns interessieren und uns wenn möglich in echt besuchen!
Unsere Gemeinde ist ein besonderer Ort in Paris! Er bietet ihnen eine sprachliche und religiöse Heimat in einem angenehmen und dynamischen Rahmen.
Hier treffen sich Deutsche und Franzosen, Österreicher und Norddeutsche, Schweizer und Schwaben und feiern zusammen Gottesdienst oder unternehmen etwas gemeinsam. Wir heißen Sie sowohl in unserer Gemeinde, als auch auf unserer Homepage willkommen! (mehr…)
Unsere Gottesdienste
In deutscher Sprache:
Sonntags um 11 Uhr
In französischer Sprache :
Samstags um 18:30 Uhr
Angedacht
Wieder kein „Sommermärchen“!
„Das kann doch nicht wahr sein, ich fasse es nicht, das gibt es doch nicht …!“ – Solche Sätze gehören zu jeder Fußball-Weltmeisterschaft. Nach einem verlorenen Spiel oder dem Ausscheiden der „eigenen Mannschaft“ wechseln sich Enttäuschung, Ärger und Fassungslosigkeit ab. Man fragt sich, warum es nicht gereicht hat, ob die richtigen Entscheidungen getroffen wurden. War der Trainer schuld, der Schiri oder doch die Akteure auf dem Platz. Oder hat am Ende einfach das Quäntchen Glück gefehlt?
Auch viele von uns in der deutschsprachigen Gemeinde in Paris haben in den vergangenen Tagen mit der deutschen Nationalmannschaft gehofft und gelitten. Das Ausscheiden im Elfmeterschießen gegen Paraguay schmerzt. Die Hoffnung auf ein langes Sommermärchen, wie im Jahr 2006, ist vorbei. Natürlich können auch Frankreich oder andere Mannschaften unser Mitfiebern wecken, weil sie uns aus unterschiedlichen Gründen überzeugen!
Wer sich egal für wen begeistern lässt und mitfiebert, kennt diese Gefühle: Die gemeinsamen Sommerabende beim Public Viewing, das Hoffen und Bangen mit Familie und Freunden, die Freude über ein Tor in letzter Minute oder die Enttäuschung nach dem Abpfiff – all das macht den Zauber des Fußballs aus. Irgendjemand hat uns Menschen mit Emotionen beschenkt. Wir dürfen jubeln, leiden und hoffen. Leidenschaft gehört zum Leben. Welch ein Geschenk der Natur oder vielleicht doch von Gott, der uns bewusst so ausgestattet hat?
Überrascht uns die Erkenntnis, dass Fußball viel mit dem Leben zu tun hat? Gemeinsam ein Ziel verfolgen, sich einsetzen, alles geben und gewinnen wollen. Doch so geht das Leben nicht immer, manchmal verliert man eben auch. Wenn es in der Beziehung schwierig wird, wenn die Kinder andere Wege gehen, wenn es bei der Arbeit Probleme gibt, wenn eine Krankheit das Leben belastet und vieles mehr.
Und warum sollten wir in solchen Situationen nicht auch vom Fußball lernen können? Eingestehen, dass etwas schiefgelaufen ist, dass auch ich selbst an etwas Schuld war und nicht immer der Gegner oder der Schiri und ich auch nicht immer auf der Gewinnerspur bleiben kann. Und wie damit umgehen? Die Enttäuschung und Trauer zulassen, dabei leiden und diese Gefühle ganz unten aushalten. Sich Zeit nehmen, um nach und nach erfahren zu können: da gibt es in manchen Lebenssituationen irgendwoher doch noch eine Kraft, die wieder atmen, hoffen und neu starten lässt. Dort wo es möglich ist, auch den Ursachen des Scheiterns auf den Grund gehen, um etwas verändern zu können, ggf. um Verzeihung bitten, umkehren und hoffen dürfen, später wieder gewinnen zu können.
Alle Spieler und Spielerinnen dieser Erde wollen das Leben gewinnen und es in Fülle leben. Manchen bleibt dies aufgrund ihrer Herkunft leider verwehrt, weil sich ihr Land auf der Verliererseite befindet. Dabei spielen manche Gewinner hier und da keine faire Rolle, indem ihr Gewinn auf Kosten der Schwachen beruht. Es scheint kaum ein Schiri oder Weltenrichter in Sicht zu sein, der entsprechende Fouls wirkungsvoll ahndet.
Ein Fußballspieler kann für 100 Millionen Euro oder mehr an einen anderen Verein verkauft werden, während derzeit 733 Millionen Menschen hungrig zu Bett gehen, das entspricht etwa einem von elf Menschen weltweit.
Manche Fußballspieler und Vereine erkennen ihre Chance und öffentliche Wirkung, indem sie das gewünschte Fairplay im Spiel auch auf das Leben übertragen und aktiv dafür werben, und entsprechende Projekte fördern. Es ist nicht zu unterschätzen, wie mithilfe des Fußballs das Bewusstsein füreinander und ein solidarischer Geist des Miteinanders geweckt werden kann.
So dürften auch uns noch mehr Emotionen in Aufregung versetzen, wenn wir auf dem Feld der Weltgemeinschaft auf das Spiel des Lebens blicken und rufen: „Das kann doch nicht wahr sein, ich fasse es nicht, das gibt es doch nicht …!“, dass Menschen aus dem Verlieren nicht mehr aus eigener Kraft herauskommen können. Dass dabei vermeidbare Eigentore geschossen wurden und heute noch geschossen werden, scheinen die reichen Nationen erst nach und nach durch vernünftige Videobeweise samt genauerer Ursachenforschung zu erkennen. Manche einseitige profitorientierte Entscheidung und deren Folgen für die Bewohner von benachteiligten Regionen werden heute als Fluchtursachen für unzählige Menschen wenigstens eingestanden.
Der Weg zu einer gerechten Welt scheint noch sehr weit zu sein.
Dennoch könnte die leidenschaftliche Freude und Begeisterung am Weltereignis Fußball unseren Blick und unsere Bereitschaft entsprechend zu handeln stärker sensibilisieren. Denn letztlich hätten alle gewonnen, wenn wir gemeinsam daran arbeiteten, aus Verlierern doch noch Gewinner hervorgehen zu lassen.
Und sicher sitzt Gott gar nicht auf einer Seite der Tribüne, er jubelt nicht für Deutschland oder Frankreich, sondern für die Menschheit. Sein größter Wunsch ist nicht ein Weltmeistertitel, sondern dass Menschen lernen, als eine Mannschaft oder besser als wertschätzende Geschwister zusammenzuspielen. Für diesen Sieg hat er sich selbst und damit alles gegeben.
So wünsche ich uns allen noch spannende Spiele, schöne Begegnungen und ein Herz, das sich einerseits für Tore und sportliche Ereignisse begeistern lässt und gleichzeitig auch für die Menschen neben uns auf dem Rasen Erde, die sich wie wir ein bisschen Glück, Fairness und Lebensfreude erhoffen.
Ihr fußballbegeisterter Pfarrer Markus Hirlinger